Liebe Leserin, lieber Leser,
man kommt nicht mit Sprechangst auf die Welt.
In Wissenschaft und Therapie ist man sich darüber einig, dass Sprechangst ein erlerntes Verhalten darstellt und somit fast ausschließlich auf prägenden negativen Erfahrungen und Bewertungen beruht. Daraus folgt: Jeder kann durch intensives Üben ein neues, konstruktives und selbstsicheres Verhalten lernen.
Im Folgenden erhalten Sie Informationen über die Symptome, Ursachen und Ausprägungen von Sprechangst.
Sprechängste sind erlernte, flüchtig oder andauernd auftretende Befürchtungen und Sorgen, gefühlsmäßige oder körperliche Reaktionen auf vorgestellte oder tatsächlich zu vollziehende „Leistungen" (vortragen, vorsprechen, rezitieren, vorsingen, sich vorstellen, diskutieren usw.) vor einem imaginären oder realen Publikum. (Haubl/Spitznagel 1983)
Situationen in denen Sprechangst auftritt:
Es werden drei verschieden Symptom-Ebenen unterschieden.
1. körperliche Symptome
z.B. erhöhter Blutdruck und Puls, Schwitzen, Erröten, erhöhte Atemfrequenz
und Körperspannung, Magen- und Darmbeschwerden, Harndrang
2. gedankliche Symptome
z.B. sich selbst negativ abwerten, die Sprechsituation als schwierig oder sogar
bedrohlich bewerten, eigene Kompetenzen als ungenügend einschätzen,
negative und wiederkehrende Gedankenkreise, Konstruktion der Situation im
Vorfeld: Versagen und Verlust des Ansehens
3. Verhaltenssymptome
Stimme zu hoch, zu leise, Sprechen zu schnell, Wortfindung verzögert,
Sprechblockaden, Sprechunflüssigkeit, häufiges Räuspern und Schlucken,
fehlender Blickkontakt, gespannte Gesichtsmuskulatur, Grimassieren,
Zuckungen, Hände, Füße und Knie zittern, von einem Fuß auf den anderen
treten, stereotype Kopfbewegungen
So ermitteln Sie Ihren Sprechangst-Typ: Überlegen Sie, in welchem Bereich Ihre individuellen Symptome am stärksten vertreten sind.
Die Ursachen für die verschiedenen Formen von Sprechangst sind komplex und immer individuell. Angeborene und erworbene Ursachen greifen dabei ineinander. Aber auch das soziale Umfeld oder prägende Ereignisse können dabei eine Rolle spielen. (Beushausen 2003)
Als häufigste Gründe werden genannt:
Für eine Bestimmung Ihrer Angst-Ausprägung ist vor allem entscheidend, wie sehr Sie durch Ihre Ängste tatsächlich eingeschränkt sind. In der Literatur und im Internet kursieren verschiedenste Begriffe und Definitionen. Hier ein Vorschlag zur Unterscheidung:
Lampenfieber/Nervosität
Der/die Sprecher/in ist vor Sprechsituationen leicht bis stark nervös, kann jedoch an allen gewünschten sozialen Situationen in Alltag und Beruf teilnehmen. Abklingen der Nervosität nach den ersten Minuten der Sprechsituation mit anschließendem souveränen und ruhigen Verhalten.
Sprechangst/Redehemmung
Mittlere bis starke länger andauernde Angstzustände mit Symptomen auf allen Ebenen. Vermeidungsverhalten in spezifischen Sprechsituationen. Der/die Sprecher/in erlebt sich außerhalb der Sprechsituation als redefähig und kann den Kontakt zu anderen suchen und halten.
Logophobie
Starke Sprechangst mit äußerst ausgeprägtem Vermeidungs- und Fluchtverhalten. Typisch sind auch Panikattacken und soziale Isolation.
Diese Definitionen sollen nicht als absolut gelten. Bitte sprechen Sie mit einem Menschen Ihres Vertrauens und lassen Sie sich professionell beraten (Hausärzte, Psychologen, Heilpraktiker, Logopäden, Sprecherzieher etc.). Hier sei darauf hingewiesen, dass pauschale Angaben nicht Ihre Individualität mit einbeziehen können.